Interim Manager: der Leitfaden für Geschäftsführer und Gesellschafter

Was Sie prüfen sollten, bevor Sie ein Geschäftsführungsmandat — Sanierung, Verkauf, Stabilisierung der Governance — einem Interim Manager anvertrauen.

Ein Geschäftsführer oder Gesellschafter, der die Zusammenarbeit mit einem Interim Manager erwägt, hat in der Regel andere Sorgen als ein Fachbereichsleiter: Die Frage ist nicht nur "beherrscht dieses Profil die Aufgabe", sondern "kann ich ihm mit vollständiger Urteilsunabhängigkeit vertrauen, und welche Rendite kann ich von dieser Investition auf Kapitalebene erwarten". Dieser Leitfaden richtet sich an genau diese Frage: Wie wählt, rahmt und bewertet man einen Interim Manager, wenn Sie als Gesellschafter oder Geschäftsführer die endgültige Entscheidung tragen.

Die Kriterien, die wirklich zählen

  • Unabhängigkeit von den bestehenden Teams — ein Interim Manager hat keine internen Karriereinteressen und keine vorbestehende Loyalität gegenüber einer Gruppe oder Hierarchielinie. Das ermöglicht oft, Wahrheiten ans Licht zu bringen, die intern niemand auszusprechen wagt.
  • Belastbares Gesellschafter-Reporting — die Fähigkeit, bereits in den ersten Wochen klare, bezifferte Lageberichte ohne Filter oder Beschönigung an Aufsichtsrat oder Gesellschafter zu liefern.
  • Diskretion — ein Interim-Mandat berührt oft sensible Themen (Verkauf, Restrukturierung, Governance-Wechsel). Die Diskretion des Managers, auch gegenüber seinem eigenen beruflichen Netzwerk, ist ein eigenständiges Auswahlkriterium.
  • Fähigkeit, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wenn die Situation es erfordert, ohne Rücksicht auf eine zukünftige Karriere im Unternehmen — ein struktureller Vorteil gegenüber einer permanenten Führungskraft, die noch lange nach Mandatsende mit den zwischenmenschlichen Folgen ihrer Entscheidungen leben muss.
  • Überprüfbare Referenzen bei anderen Gesellschaftern oder Investmentfonds, die seine Dienste in vergleichbaren Kontexten (Sanierung, Verkauf, LBO, Wechsel der Geschäftsführung) genutzt haben.

Typisches Profil eines Interim Managers für ein Gesellschaftermandat

Die in diesem Kontext mobilisierten Profile haben meist Geschäftsführungs- oder Business-Unit-Leitungsfunktionen innegehabt, mit direkter Erfahrung in sensiblen Governance-Situationen: Gesellschafterwechsel, Krisenbewältigung, Verkaufsvorbereitung. Viele haben selbst anspruchsvolle Investitionsausschüsse oder Aufsichtsräte erlebt, was ihnen eine natürliche Sicherheit im Gesellschafter-Reporting verleiht — sie wissen, was ein Gesellschafter wissen muss und in welchem Rhythmus, ohne dass man es ihnen erklären müsste.

Was kostet ein Interim Manager für ein Geschäftsführungsmandat

Der Tagessatz bewegt sich in der Regel im oberen Bereich der Marktspanne für ein Geschäftsführungs- oder Sanierungsmandat mit hohem Gesellschafter-Risiko. Die vollständigen Preisfaktoren und bezifferte Beispiele finden Sie auf unserer Seite Was kostet ein Interim Manager. Für ein Geschäftsführungsmandat bleibt die Abrechnung auf Zeit- und Aufwandsbasis die häufigste Wahl, da sich der genaue Umfang eines Sanierungs- oder Verkaufsvorbereitungsmandats im Mandatsverlauf oft je nach den Erkenntnissen der Erstdiagnose verändert.

Der wahre ROI: die Rendite auf Kapitalebene

Für einen Gesellschafter ist der richtige Rechnungsrahmen nicht "was kostet dieser Manager im Vergleich zu einem Angestellten", sondern "welche Auswirkung hat sein Mandat auf den Unternehmenswert". Eine erfolgreiche Sanierung, die eine Liquidation vermeidet, ein unter guten statt dringlichen Bedingungen vorbereiteter und durchgeführter Verkauf, eine stabilisierte Governance, die Finanzpartner beruhigt: Diese Ergebnisse beziffern sich auf das Zig- bis Hundertfache der Mandatskosten selbst. Umgekehrt hat das Ausbleiben einer Entscheidung — eine Governance- oder Underperformance-Krise andauern zu lassen, weil keine entscheidungsfähige Führung vorhanden ist — oft unsichtbare, aber reale Opportunitätskosten: geminderte Bewertung, Vertrauensverlust bei Finanzpartnern, verpasste Marktchancen.

Bei einem typischen Sanierungsmandat übersteigt das finanzielle Risiko (Überleben des Unternehmens, Wert des Vermögenswerts für die Gesellschafter) den Tagessatz des mobilisierten Interim Managers bei Weitem, selbst bei den längsten Mandaten. Die Betrachtung der Rendite auf Kapitalebene, statt als reine Betriebskosten, ist für einen Gesellschafter die richtige Perspektive.

Wie ein Interim-Geschäftsführungsmandat abläuft

  • Rahmung (Tage 1 bis 5) — Diagnose der Lage mit Aufsichtsrat oder Gesellschaftern, präzise Definition des Mandats (Sanierung, Verkauf, Stabilisierung), formalisierte Vollmachtsübertragung.
  • Mobilisierung (erste 2 Wochen) — Kontaktaufnahme mit der Geschäftsführung, erste Prioritätsentscheidungen, Aufbau eines regelmäßigen Gesellschafter-Reportings von Anfang an.
  • Steuerung und Nachverfolgung — regelmäßige Lageberichte an Aufsichtsrat oder Gesellschafter (Frequenz an die Dringlichkeit der Situation angepasst), Anpassung des Mandats bei signifikanter Kontextänderung.
  • Mandatsende — Vorbereitung des Übergangs zu einer permanenten Führungskraft, oder Begleitung bis zum Abschluss einer Verkaufstransaktion, mit dokumentierter Übergabe der getroffenen Entscheidungen und deren Begründung.

Die Signale, die eine sofortige Suche auslösen sollten

  • Die amtierende Führungskraft muss in einem Spannungskontext mit Gesellschaftern oder Aufsichtsrat gehen, ohne identifizierten konsensfähigen Nachfolger.
  • Das Unternehmen durchläuft eine Liquiditäts- oder Governance-Krise, die eine schnelle, von den bestehenden Teams unabhängige Entscheidung erfordert.
  • Eine Verkaufstransaktion wird erwogen, und das Unternehmen benötigt eine Führungskraft, die sie vorbereiten und absichern kann, ohne persönlichen Interessenkonflikt bezüglich der eigenen Zukunft in der Struktur.
  • Eine Post-Merger-Integration erfordert eine neutrale Geschäftsführung ohne Vorgeschichte mit einer der zu fusionierenden Organisationen.

Was das Mandat abdecken muss

Vor Mandatsbeginn sollte ein schriftliches Rahmendokument mindestens Folgendes festlegen: die genaue vom Aufsichtsrat oder den Gesellschaftern erteilte Vollmacht (bis wohin der Interim Manager das Unternehmen ohne vorherige Freigabe binden kann), die messbaren Ziele des Mandats und deren Zeithorizont, den Rhythmus und das Format des Gesellschafter-Reportings sowie die Bedingungen für das Mandatsende — einschließlich des Umgangs mit interner und externer Kommunikation rund um den Führungswechsel. Bei einem sensiblen Mandat (Verkauf, tiefgreifende Restrukturierung) gehört auch eine verstärkte Vertraulichkeitsklausel zu den systematisch zu klärenden Punkten.

Interim Manager oder vorläufiger Verwalter / gerichtlich bestellter Mandatsträger: zwei unterschiedliche Logiken

In den kritischsten Situationen (Insolvenzverfahren, gerichtliches Mandat) sieht das Gesetz spezifische Mechanismen mit vom Handelsgericht bestellten Akteuren vor, deren Befugnisse durch das Insolvenzrecht geregelt sind. Ein Interim Manager handelt vor- oder außerhalb dieses gerichtlichen Rahmens: Er wird direkt von Gesellschaftern oder Aufsichtsrat beauftragt, mit größerer vertraglicher Handlungsfreiheit, jedoch ohne die spezifischen rechtlichen Schutzmechanismen eines Insolvenzverfahrens. Je nach Schwere der finanziellen Lage des Unternehmens können sich diese beiden Ansätze eher ergänzen als ausschließen — ein Punkt, der mit Ihren gewohnten Rechtsberatern vor einer Entscheidung zu besprechen ist.

Die Fehler, die teuer werden

Der häufigste: einen Interim Manager allein aufgrund seines Rufs oder Netzwerks auszuwählen, ohne seine konkreten Referenzen bei vergleichbaren Governance-Mandaten zu prüfen. Der zweite: die Vollmachtsübertragung nicht von Anfang an klar zu formalisieren, was Unklarheit schafft und Entscheidungen genau dann verlangsamt, wenn Schnelligkeit am wichtigsten ist. Der dritte: die Bedeutung der internen Kommunikation rund um die Ankunft einer Interim-Führungskraft zu unterschätzen — ein Team, das das Mandat und seine Dauer nicht gut versteht, kann einen Widerstand entwickeln, der den Erfolg des Mandats bereits in den ersten Wochen gefährdet.

Häufig gestellte Fragen

Kann ein Interim Manager die Position des Geschäftsführers besetzen?

Ja, das ist eines der häufigsten Mandate für die erfahrensten Profile — mit einer vom Aufsichtsrat oder den Gesellschaftern formalisierten Vollmacht.

Wie lange dauert ein Interim-Geschäftsführungsmandat typischerweise?

In der Regel zwischen 6 und 18 Monaten, je nachdem, ob es sich um eine Sanierung, eine Verkaufsvorbereitung oder eine Governance-Stabilisierung bis zu einer permanenten Einstellung handelt.

Berichtet der Interim Manager direkt an Gesellschafter oder Aufsichtsrat?

Ja, das wird bereits zu Mandatsbeginn festgelegt — der Rhythmus und das Format des Gesellschafter-Reportings gehören zu den vor Mandatsstart zu definierenden Elementen.

Wie wird die Vertraulichkeit bei einem sensiblen Mandat (Verkauf, Restrukturierung) gewährleistet?

Eine verstärkte Vertraulichkeitsklausel wird in den Mandatsvertrag aufgenommen, und bei der Auswahl des Interim Managers wird seine nachgewiesene Fähigkeit berücksichtigt, sensible Themen bei früheren Mandaten diskret zu handhaben.

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